Wie berechne ich das EBIT meines Handwerksbetriebes? Der praktische Leitfaden

18.01.2026

Titelbild EBIT berechnen im Handwerk Der praktische Leitfaden
Kurze Zusammenfassung: Das EBIT (Earnings Before Interest and Taxes) ist eine der wichtigsten Kennzahlen für Handwerksbetriebe – besonders wenn es um Unternehmensbewertung, Kreditverhandlungen oder strategische Entscheidungen geht. Diese Kennzahl zeigt, wie profitabel Ihr Betrieb wirklich wirtschaftet, unabhängig von Finanzierungsstruktur und Steuerlast. In diesem Leitfaden erfahren Sie Schritt für Schritt, wie Sie das EBIT Ihres Handwerksbetriebs korrekt berechnen und was die Zahl über Ihren Betrieb aussagt.

Was ist EBIT und warum ist es für meinen Handwerksbetrieb wichtig?

EBIT steht für "Earnings Before Interest and Taxes" – auf Deutsch: Betriebsergebnis vor Zinsen und Steuern. Diese Kennzahl zeigt Ihnen, wie viel Gewinn Ihr Handwerksbetrieb aus dem operativen Geschäft erwirtschaftet, bevor Finanzierungskosten und Steuern abgezogen werden.

Warum gerade EBIT und nicht einfach der Gewinn?

Stellen Sie sich zwei Schreinereien vor: Beide machen 100.000 Euro Jahresüberschuss. Schreinerei A hat keine Kredite und zahlt kaum Zinsen. Schreinerei B hat vor drei Jahren in eine neue Maschine investiert und zahlt 15.000 Euro Kreditzinsen im Jahr. Welcher Betrieb ist wirtschaftlich stärker?

Schaut man nur auf den Jahresüberschuss, sehen beide gleich aus. Das EBIT zeigt aber: Schreinerei B erwirtschaftet aus dem Geschäft heraus eigentlich 115.000 Euro – sie ist also operativ stärker, auch wenn ein Teil davon für die Finanzierung draufgeht.

Das macht EBIT so wertvoll:

  • Vergleichbarkeit zwischen unterschiedlich finanzierten Betrieben
  • Echte Aussage über die operative Ertragskraft
  • Zentrale Kennzahl für Unternehmensbewertungen
  • Wichtig für Bankgespräche und Kreditentscheidungen
  • Grundlage für strategische Entscheidungen

Wie berechne ich das EBIT meines Handwerksbetriebs?

Die EBIT-Berechnung ist einfacher als viele denken. Sie brauchen nur drei Zahlen aus Ihrer Gewinn- und Verlustrechnung:

EBIT = Jahresüberschuss + Zinsaufwendungen - Zinserträge

EBIT-Formel für Handwerksbetriebe mit Rechenbeispiel - Jahresüberschuss plus Zinsen minus Zinserträge
Abbildung 1: Die EBIT-Berechnung Schritt für Schritt: Mit dieser einfachen Formel ermitteln Sie die operative Ertragskraft Ihres Handwerksbetriebs.

Schauen wir uns jeden Bestandteil genau an:

Schritt 1: Jahresüberschuss ermitteln

Den Jahresüberschuss finden Sie in Ihrer Gewinn- und Verlustrechnung ganz unten. Das ist das, was am Ende des Jahres übrig bleibt – Ihr Gewinn nach allen Abzügen.

Wo finde ich diese Zahl?

  • In der letzten Zeile Ihrer GuV
  • Im Jahresabschluss Ihres Steuerberaters
  • In Ihrer Buchhaltungssoftware unter "Jahresergebnis"

Schritt 2: Zinsaufwendungen hinzurechnen

Zinsaufwendungen sind alle Zinsen, die Sie im Jahr gezahlt haben:

  • Kreditzinsen für Betriebsmittel
  • Zinsen für Investitionskredite
  • Kontokorrentzinsen
  • Zinsen für Leasingfinanzierungen
Wichtig: Nur die tatsächlichen Zinskosten zählen, nicht die Tilgung Ihrer Kredite.

Wo finde ich diese Zahlen?

  • In der GuV unter "Zinsaufwendungen" oder "Finanzaufwendungen"
  • In den Kontoauszügen Ihrer Kredite
  • Bei Ihrem Steuerberater

Schritt 3: Zinserträge abziehen

Haben Sie Geld auf Geschäftskonten oder Festgeldanlagen? Dann erhalten Sie Zinserträge. Diese müssen Sie wieder abziehen, weil sie nicht aus dem operativen Geschäft kommen.

Praktischer Hinweis: Bei den meisten Handwerksbetrieben sind die Zinserträge minimal oder gar nicht vorhanden. Wenn Sie keine haben, können Sie diesen Schritt überspringen.

Praktisches Rechenbeispiel: Elektrobetrieb Müller

Schauen wir uns ein konkretes Beispiel an:

Ausgangsdaten aus der GuV:

  • Jahresüberschuss: 85.000 €
  • Zinsaufwendungen für Betriebskredit: 8.500 €
  • Zinsen für Fahrzeugfinanzierung: 2.800 €
  • Zinserträge vom Geschäftskonto: 150 €

EBIT-Berechnung:

  • Jahresüberschuss: 85.000 €
    • Zinsaufwendungen: 11.300 € (8.500 € + 2.800 €)
    • Zinserträge: 150 €
  • = EBIT: 96.150 €
Was sagt uns diese Zahl? Der Elektrobetrieb Müller erwirtschaftet aus seinem operativen Geschäft 96.150 Euro, bevor Finanzierungskosten und Steuern berücksichtigt werden. Das ist deutlich mehr als der ausgewiesene Jahresüberschuss und zeigt die tatsächliche Ertragskraft.

EBIT vs. andere Kennzahlen: Was ist der Unterschied?

Vergleich EBIT, Umsatz und Jahresüberschuss im Handwerk - Kennzahlen gegenübergestellt
Abbildung 2: EBIT im Vergleich: Die Kennzahl zeigt die echte Ertragskraft unabhängig von Finanzierung und Steuern

EBIT vs. Jahresüberschuss

Der Jahresüberschuss zeigt, was nach allen Kosten übrig bleibt – inklusive Zinsen und Steuern. Das EBIT zeigt die Ertragskraft vor diesen Positionen.

Wann welche Kennzahl nutzen?

  • Jahresüberschuss: Für Ihre persönliche Entnahmeplanung
  • EBIT: Für Betriebsvergleiche und Unternehmensbewertung

EBIT vs. Umsatz

Der Umsatz zeigt nur, wie viel Sie einnehmen. Das EBIT zeigt, wie profitabel Sie arbeiten.

Beispiel: Ein Malerbetrieb mit 800.000 Euro Umsatz kann ein EBIT von 80.000 Euro haben (10% EBIT-Marge). Ein anderer mit gleichem Umsatz vielleicht nur 40.000 Euro (5% EBIT-Marge). Der erste arbeitet effizienter.

EBIT vs. EBITDA

EBITDA (Earnings Before Interest, Taxes, Depreciation and Amortization) rechnet zusätzlich noch Abschreibungen hinzu. Für die meisten Handwerksbetriebe ist aber das EBIT aussagekräftiger, weil es die realen Kosten für Verschleiß und Ersatzinvestitionen berücksichtigt.

Warum ist EBIT für die Unternehmensbewertung im Handwerk so wichtig?

Wenn Sie Ihren Handwerksbetrieb bewerten lassen – ob für einen Verkauf, eine Nachfolgeplanung oder eine Kreditverhandlung – spielt das EBIT eine zentrale Rolle.

Die EBIT-Multiplikator-Methode

Eine der gängigsten Faustformeln zur Unternehmensbewertung für Handwerksbetriebe nutzt das EBIT direkt:

Unternehmenswert = Durchschnittliches EBIT × EBIT-Multiplikator

Für Handwerksbetriebe liegt der EBIT-Multiplikator typischerweise bei 3,2.

Beispiel Elektrobetrieb Müller:

  • Durchschnittliches EBIT (letzte 3 Jahre): 96.150 €
  • EBIT-Multiplikator: 3,2
  • Geschätzter Unternehmenswert: 307.680 €

Wann ist EBIT besser als Umsatz für die Bewertung?

Nutzen Sie die EBIT-basierte Bewertung, wenn:

  • Ihr Betrieb überdurchschnittlich ertragsstark ist
  • Sie höhere Gewinnmargen als der Branchendurchschnitt erzielen
  • Sie eine präzisere Bewertung für Verkaufsverhandlungen brauchen
  • Ihre Bank eine detaillierte Bewertung verlangt

Die Umsatz-Methode (Umsatz × 0,3) ist schneller, aber weniger genau. Liegt Ihr EBIT-basierter Wert deutlich über dem Umsatz-basierten Wert, haben Sie einen besonders profitablen Betrieb.

EBIT über mehrere Jahre: So nutzen Sie die Kennzahl richtig

Eine einzelne EBIT-Zahl sagt wenig aus. Erst die Entwicklung über mehrere Jahre zeigt die wahre Ertragskraft.

Gewichteter EBIT-Durchschnitt über 3 Jahre für Unternehmensbewertung im Handwerk berechnen
Abbildung 3: Für eine realistische Bewertung: Die gewichtete Durchschnittsmethode berücksichtigt aktuelle Zahlen stärker und gleicht Schwankungen aus.

Die 3-Jahres-Durchschnittsmethode

Für eine solide Bewertung berechnen Sie das EBIT der letzten 3-4 Jahre und bilden einen gewichteten Durchschnitt:

Gewichtung nach Aktualität:

  • Aktuellstes Jahr: 40%
  • Vorjahr: 30%
  • Vorvorletztes Jahr: 20%
  • Vorvorvorletztes Jahr: 10%

Diese Zahl gibt ein realistisches Bild der aktuellen Ertragskraft und berücksichtigt positive Entwicklungen stärker.

Was ist ein gutes EBIT für einen Handwerksbetrieb?

Die EBIT-Marge (EBIT im Verhältnis zum Umsatz) variiert stark nach Branche:

Überdurchschnittliche EBIT-Margen (10-15%):

  • SHK-Betriebe mit Wartungsverträgen
  • Elektrotechnik mit Spezialisierung
  • Metallbau mit Kundenprojekten

Durchschnittliche EBIT-Margen (7-10%):

  • Kfz-Werkstätten
  • Schreinereien
  • Dachdeckerbetriebe

Herausfordernde EBIT-Margen (unter 7%):

  • Maler mit hoher Konkurrenz
  • Fliesenleger
  • Reine Subunternehmer-Betriebe

Faustregel: Eine EBIT-Marge über 10% gilt im Handwerk als sehr gut und deutet auf einen wertvollen, gut geführten Betrieb hin.

Häufige Fehler bei der EBIT-Berechnung vermeiden

Fehler 1: Nur ein Jahr betrachten

Ein einzelnes Jahr kann durch Sondereffekte verzerrt sein. Nutzen Sie immer einen Mehrjahresdurchschnitt für aussagekräftige Ergebnisse.

Fehler 2: Tilgung als Zinsaufwand zählen

Nur die Zinsen gehören ins EBIT, nicht die Kreditrückzahlung (Tilgung). Die Tilgung ist keine Aufwandposition für das EBIT.

Fehler 3: Außerordentliche Erträge nicht bereinigen

Haben Sie in einem Jahr ein Grundstück verkauft oder eine Versicherungszahlung erhalten? Diese einmaligen Effekte sollten Sie herausrechnen, um die echte operative Ertragskraft zu sehen.

Fehler 4: Kalkulatorische Kosten ignorieren

Für eine realistische Bewertung sollten Sie später auch kalkulatorische Kosten berücksichtigen (Unternehmerlohn, Miete für eigene Immobilien). Das EBIT allein zeigt noch nicht das vollständige Bild.

EBIT in der Praxis: Von der Kennzahl zur Entscheidung

Für Betriebsinhaber: Ertragskraft steuern

Nutzen Sie das EBIT als Steuerungsgröße:

  • Berechnen Sie es quartalsweise
  • Vergleichen Sie mit Vorjahren
  • Setzen Sie sich EBIT-Ziele
  • Analysieren Sie negative Entwicklungen frühzeitig

Für Betriebsverkäufer: Wert kommunizieren

Wenn Sie Ihren Betrieb verkaufen wollen:

  • Zeigen Sie die EBIT-Entwicklung der letzten Jahre
  • Bereiten Sie die Zahlen sauber auf
  • Erklären Sie Besonderheiten einzelner Jahre
  • Nutzen Sie EBIT als Verhandlungsgrundlage

Für Betriebskäufer: Ertragskraft prüfen

Wenn Sie einen Betrieb übernehmen wollen:

  • Verlangen Sie EBIT-Zahlen mehrerer Jahre
  • Prüfen Sie die Plausibilität
  • Lassen Sie sich Zinszahlungen belegen
  • Vergleichen Sie mit Branchendurchschnitt

Häufig gestellte Fragen zum EBIT im Handwerk

Wo finde ich die Zinszahlen genau, wenn ich mehrere Kredite habe?

Am einfachsten: Rufen Sie bei Ihrer Bank an und bitten um eine "Jahres-Zinsübersicht". Oder schauen Sie in die Kontoauszüge (Sollzinsen), Kreditabrechnungen und Leasingverträge. Ihr Steuerberater hat diese Zahlen auch. Wichtig: Bei Leasingraten zählt nur der Zinsanteil, nicht die ganze Rate.

Mein EBIT ist viel höher als mein Jahresüberschuss – ist das normal?

Ja, völlig normal! Der Jahresüberschuss ist niedriger, weil die Kreditzinsen schon abgezogen sind. Das EBIT zeigt, was Sie operativ erwirtschaften, bevor die Finanzierungskosten abgehen. Ein höheres EBIT ist sogar ein gutes Zeichen – es bedeutet, Ihr Betrieb ist profitabler als der reine Gewinn vermuten lässt.

Kann ich das EBIT selbst ausrechnen oder brauche ich meinen Steuerberater?

Sie können es selbst: Jahresüberschuss + Zinsaufwendungen - Zinserträge = EBIT. Fertig. Für eine offizielle Bewertung oder wenn Sie mehrere Jahre bereinigen wollen, hilft der Steuerberater. Für die eigene Orientierung reicht Ihre Berechnung.

Woran erkenne ich, ob mein EBIT gut ist?

Rechnen Sie die EBIT-Marge aus: EBIT ÷ Umsatz × 100. Unter 7% ist schwach, 7-10% ist Durchschnitt, über 10% ist sehr gut. Beispiel: Bei 800.000 € Umsatz und 80.000 € EBIT haben Sie 10% – das ist überdurchschnittlich. Für Kredite gilt: Ihr EBIT sollte mindestens 15-20% der Kreditsumme betragen.

Von der Berechnung zur Bewertung: Nutzen Sie unseren Online-Rechner

Jetzt wissen Sie, wie Sie das EBIT Ihres Handwerksbetriebs berechnen. Aber das ist nur der erste Schritt. Für eine vollständige Unternehmensbewertung müssen noch weitere Faktoren berücksichtigt werden:

  • Inhaberabhängigkeit
  • Kundenstruktur
  • Betriebsausstattung
  • Marktposition
  • Personalstruktur

Unser kostenloser Online-Rechner führt Sie durch alle Schritte und liefert Ihnen in 10-15 Minuten eine fundierte Bewertung nach dem bewährten AWH-Standard – dem Bewertungsverfahren speziell für Handwerksbetriebe.

Was Sie für die Bewertung brauchen:

  • Umsatz und Betriebsergebnis der letzten 3 Jahre (oder das EBIT, das Sie jetzt berechnen können)
  • Grunddaten zu Mitarbeitern und Kundenstruktur
  • Einschätzung zu Inhaberabhängigkeit und Ausstattung

Der Rechner ist kostenfrei, unverbindlich und Ihre Daten werden nicht gespeichert. Starten Sie jetzt und finden Sie heraus, was Ihr Betrieb wirklich wert ist.

Das Wichtigste auf einen Blick

EBIT berechnen – So geht's:

  1. Jahresüberschuss aus der GuV nehmen
  2. Alle Zinsaufwendungen hinzurechnen
  3. Eventuell vorhandene Zinserträge abziehen
  4. Ergebnis = Ihr EBIT

EBIT nutzen – Dafür ist es wichtig:

  • Unternehmensbewertung (EBIT × 3,2 für Handwerk)
  • Betriebsvergleiche unabhängig von Finanzierung
  • Kreditverhandlungen mit der Bank
  • Strategische Entscheidungen und Planung

EBIT optimieren – So steigern Sie die Kennzahl:

  • Gewinnmargen verbessern
  • Effizientere Prozesse
  • Bessere Preise durchsetzen
  • Kosten senken ohne Qualitätsverlust

Das EBIT ist mehr als nur eine Kennzahl in Ihrer Buchhaltung – es ist der Schlüssel zum Verständnis der echten Ertragskraft Ihres Handwerksbetriebs. Nutzen Sie diese Zahl aktiv für Ihre Betriebsführung und wichtige Entscheidungen.

Bereit für den nächsten Schritt? Mit unserem Online-Rechner erfahren Sie in wenigen Minuten, was Ihr Betrieb auf Basis Ihres EBIT und weiterer Faktoren wert ist. Kostenfrei, professionell und speziell für Handwerksbetriebe entwickelt.