Betriebsnachfolge im Handwerk: Der Leitfaden für eine erfolgreiche Unternehmensnachfolge

21.06.2024

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Die Betriebsnachfolge im Handwerk wird zur größten Herausforderung für 125.000 Betriebe in den nächsten fünf Jahren. 57% der Handwerker sehen die Nachfolgersuche als größte Hürde. Dieser Leitfaden zeigt Ihnen, wie Sie systematisch den richtigen Nachfolger finden, rechtliche Fallstricke vermeiden und Ihre Unternehmensnachfolge Handwerk erfolgreich gestalten.

Wie schwierig ist die aktuelle Situation bei der Nachfolge Handwerk?

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Fast jeder vierte Betriebsinhaber im Handwerk ist bereits über 60 Jahre alt. Das Durchschnittsalter liegt bei 55 Jahren – Tendenz steigend. Nach aktuellen Umfragen des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH) planen 22 Prozent aller Handwerksbetriebe in den nächsten fünf Jahren eine Betriebsübergabe. Das sind deutlich mehr als noch vor fünf Jahren (18 Prozent).

Die demografische Herausforderung: In den kommenden Jahren gehen die geburtenstarken "Babyboomer"-Jahrgänge in den Ruhestand. Gleichzeitig sinkt die Zahl potenzieller Nachfolger durch den allgemeinen Bevölkerungsrückgang und den anhaltenden Fachkräftemangel.

Warum ist die Nachfolgersuche bei der Betriebsnachfolge Handwerk so schwierig?

Die Gründe für die Schwierigkeiten bei der Unternehmensnachfolge Handwerk sind vielschichtig:

Strukturelle Herausforderungen:

  • Demografischer Wandel: Weniger potenzielle Nachfolger durch Bevölkerungsrückgang
  • Fachkräftemangel: Qualifizierte Fachkräfte haben attraktive Alternativen zur Selbstständigkeit
  • Qualifikationshürden: Die Kombination aus Meisterbrief und unternehmerischen Fähigkeiten ist selten

Gesellschaftliche Veränderungen:

  • Wertewandel: Jüngere Generationen scheuen die Verantwortung einer Unternehmensführung
  • Finanzierungshürden: Der Kaufpreis stellt für viele eine unüberwindbare Barriere dar

Wie finde ich den richtigen Nachfolger für meine Betriebsnachfolge Handwerk?

Welche Nachfolger-Optionen gibt es bei der Nachfolge Handwerk?

1. Familiennachfolge (36% aller Übergaben)

Die Weitergabe an Familienmitglieder bleibt der häufigste Weg im Handwerk. Besonders in den Lebensmittelgewerken (54%) und Bauhauptgewerken (46%) ist dies bevorzugt.

Vorteile der Familiennachfolge:
  • Frühzeitige Einbindung ins Unternehmen möglich
  • Kontinuität bei Werten und Unternehmensphilosophie
  • Flexible Finanzierungsmöglichkeiten
Herausforderungen:
  • Objektive Qualifikationsbewertung erforderlich
  • Trennung von Familie und Geschäft
  • Mögliche Ausgleichszahlungen an andere Erben

2. Mitarbeiter-Nachfolge (12% der Betriebe)

Etwa 12% der Betriebe planen eine Übergabe an einen Mitarbeiter. In den Gesundheitshandwerken liegt dieser Anteil bei 22%.

Vorteile:
  • Mitarbeiter kennt Betrieb und Kunden
  • Kurze Einarbeitungszeit
  • Kontinuität für bestehende Geschäftsbeziehungen
Herausforderungen:
  • Finanzierung kann schwierig sein
  • Wechsel von der Mitarbeiter- zur Unternehmerrolle
  • Führungskompetenzen müssen entwickelt werden

3. Externe Nachfolger (16% der Planungen)

Wenn Familie und Mitarbeiter nicht infrage kommen, bleiben externe Interessenten:

  • Existenzgründer (8%)
  • Andere Unternehmer zur Geschäftserweiterung
  • Wettbewerber (1-2%)

Wie erstelle ich ein Anforderungsprofil für die Unternehmensnachfolge Handwerk?

Fachliche Qualifikationen definieren:

  • Meisterbrief oder vergleichbare Qualifikation
  • Branchenspezifisches Know-how
  • Aktuelle technische Fähigkeiten

Unternehmerische Kompetenzen bewerten:

  • Betriebswirtschaftliches Grundverständnis
  • Führungserfahrung oder -potenzial
  • Strategisches Denken

Persönliche Eigenschaften prüfen:

  • Passung zur Unternehmenskultur
  • Übereinstimmende Wertvorstellungen
  • Kommunikationsfähigkeit für Kunden und Mitarbeiter

Wo und wie finde ich Nachfolger für meine Betriebsnachfolge Handwerk?

Welche Plattformen und Netzwerke nutzen?

Digitale Nachfolgebörsen:

  • nexxt-change.org (bundesweite Plattform)
  • Nachfolgebörsen der Handwerkskammern
  • Branchenspezifische Online-Plattformen

Persönliche Netzwerke:

  • Innungen und Fachverbände
  • Meisterschulen und Berufsbildungszentren
  • Lieferanten und Kooperationspartner
  • Kunden mit branchennahen Kontakten

Regionale Veranstaltungen:

  • Nachfolgetage der Handwerkskammern
  • Unternehmerbörsen
  • Fachmessen und Branchentreffen

Wie gehe ich systematisch bei der Nachfolgersuche vor?

Phase 0: Unternehmenswert ermitteln

  • Erste realistische Einschätzung erhalten
  • Verhandlungsbasis schaffen
  • Wertsteigernde Maßnahmen verstehen

Mehr Infos zur Unternehmenswertermittlung in Handwerksbetrieben finden Sie hier.

Phase 1: Interne Suche

  • Familie und engste Mitarbeiter ansprechen
  • Potenzial und Interesse evaluieren
  • Erste Gespräche führen

Phase 2: Netzwerk erweitern

  • Berufsumfeld und Branchennetzwerke nutzen
  • Professionelle Beratung einschalten
  • Handwerkskammer und Steuerberater einbeziehen

Phase 3: Überregionale Suche

  • Nachfolgebörsen aktiv nutzen
  • Anzeigen in Fachzeitschriften
  • Kooperation mit Existenzgründungsberatern

Welche Unterstützung gibt es für die Betriebsnachfolge Handwerk?

Die Zufriedenheit mit Beratungsangeboten ist laut ZDH-Umfrage überwiegend positiv:

Handwerkskammern bieten:

  • Kostenlose Erstberatung zur Unternehmensnachfolge
  • Nachfolgebörsen und Vermittlungsservice
  • Unternehmenswertermittlung
  • Workshops und Informationsveranstaltungen

Steuerberater (74% erste Anlaufstelle):

  • Steueroptimierte Übergabegestaltung
  • Bewertung nach IDW-Standards
  • Vertragsverhandlungen

Fachverbände und Innungen:

  • Branchenspezifische Beratung
  • Kontaktvermittlung
  • Erfahrungsaustausch

Kreditinstitute:

  • Finanzierungsberatung für Übernehmer
  • Bewertung der Kreditwürdigkeit
  • Fördermittelberatung

Häufig gestellte Fragen zur Nachfolge Handwerk

Wann sollte ich mit der Nachfolgersuche beginnen?

Idealerweise fünf Jahre vor der geplanten Übergabe. Dies gibt ausreichend Zeit für alle Phasen: Nachfolgersuche, Einarbeitung, rechtliche Gestaltung und Finanzierungsklärung.

Was tue ich, wenn sich kein Nachfolger findet?

Prüfen Sie alternative Modelle:

  • Schrittweise Übergabe über mehrere Jahre
  • Vorübergehende Verpachtung
  • Einstellung eines Fremdgeschäftsführers
  • Verkauf an einen Investor mit Erhalt der Arbeitsplätze

Wie viel Einblick sollte ich potenziellen Nachfolgern gewähren?

Nach Unterzeichnung einer Verschwiegenheitsvereinbarung sollten Sie umfassende Einblicke geben. Nur so kann der potenzielle Nachfolger eine fundierte Entscheidung treffen. Dazu gehören:

  • Bilanzen der letzten drei Jahre
  • Kundenstamm und Auftragsbestand
  • Mitarbeiterstruktur und Lohnkosten
  • Maschinenpark und Betriebsausstattung

Soll ich meine Mitarbeiter über die Nachfolgersuche informieren?

Informieren Sie Ihre Mitarbeiter rechtzeitig, aber erst wenn konkrete Gespräche mit potenziellen Nachfolgern laufen. Transparenz schafft Vertrauen und verhindert Gerüchte. Gute Kommunikation:

  • Reduziert Unsicherheit bei der Belegschaft
  • Verhindert Abwanderung wichtiger Mitarbeiter
  • Erleichtert dem Nachfolger den Einstieg

Wie bewerte ich mein Unternehmen für die Nachfolge?

Nur für etwa jeden fünften Betrieb, der übergeben werden soll, wurde bereits der Unternehmenswert ermittelt. Bewährte Verfahren:

  • AWH-Verfahren: Standard der Handwerksorganisationen
  • Ertragswertverfahren: Fokus auf zukünftige Erträge
  • Vergleichswertverfahren: Orientierung an Marktpreisen ähnlicher Betriebe

Oder nutzen Sie einfach unseren speziell für Handwerksbetriebe entwickelten Online-Rechner. In unter 10 Minuten zur Ermittlung ihres Unternehmenswerts

Erfolgsfaktoren für eine gelungene Betriebsnachfolge Handwerk

Rechtzeitige Planung: Beginnen Sie mindestens fünf Jahre vor der geplanten Übergabe mit der konkreten Nachfolgeplanung.

Professionelle Begleitung: Nutzen Sie die Expertise von Handwerkskammern, Steuerberatern und spezialisierten Beratern.

Realistische Bewertung: Eine sachgerechte Unternehmensbewertung schafft Klarheit für beide Seiten.

Strukturierte Suche: Gehen Sie systematisch vor – von der Familie über Mitarbeiter bis hin zu externen Kandidaten.

Offene Kommunikation: Transparenz gegenüber Mitarbeitern, Kunden und Lieferanten erleichtert den Übergang.

Fazit: Ihre Betriebsnachfolge Handwerk erfolgreich gestalten

Die Unternehmensnachfolge im Handwerk ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Mit rechtzeitiger Planung, einem klaren Anforderungsprofil und der Nutzung aller verfügbaren Unterstützungsangebote steigen Ihre Chancen erheblich, die passende Person für Ihr Lebenswerk zu finden.

Der Schlüssel zum Erfolg liegt in drei Bereichen:

  1. Früh anfangen: Geben Sie sich und Ihrem Nachfolger ausreichend Zeit
  2. Systematisch vorgehen: Nutzen Sie alle verfügbaren Kanäle und Netzwerke
  3. Professionell begleiten lassen: Holen Sie sich Expertenhilfe bei komplexen Fragen

Denken Sie daran: Eine gelungene Nachfolge sichert nicht nur Ihre eigene Zukunft, sondern auch die Arbeitsplätze Ihrer Mitarbeiter und die Fortführung Ihrer handwerklichen Tradition. Der Prozess mag herausfordernd sein, aber mit der richtigen Vorbereitung werden Sie den passenden Nachfolger für Ihren Betrieb finden.